- GIER! -

  1. kuck doch die fiesen gesichter!
  2. wtf! öfter auch mal einverstanden
  3. stillstand
  4. diese sonne scheint heute nur für mich
  5. ein like auf gestern
  6. es hat klick gemacht (luxus für alle!)

kuck doch, die fiesen gesichter

kuck doch, kuck doch - kuck doch auf die straße
jetzt müssen alle betteln gehen - kuck doch, kuck doch
was haben die getan - jetzt müssen alle betteln gehen
kuck doch, kuck doch - die fiesen gesichter
jetzt müssen alle betteln gehen - kuck doch, kuck doch was haben sie getan - jetzt müssen alle betteln gehen
den gürtel enger, die jahre des verzichts - kuck doch mal nach bremen, bochum, nürnberg - und wie die alle heißen

gesehen, gehört, sie haben es dir eingehämmert, sie haben es im radio gesagt, es ist außergewöhnlich, übermenschlich, es ging zwei mal gut. die arme in die höhe zehn blicke auf dich - per definition gescheitert, das übel im ganzen erschüttert, schön zu sehen, und dann ein alter bekannter mit offenen armen, lächeln wie damals - hey peter, alles klar?

mal sehen was kommt, das beständige vor weiter und schnell - switch nach später - nach besser, zurück nicht beizuwohnen ist aufgabe und mehr als zu verkraften - das grundrauschen ist zu laut

im gedanken abgeschweift - ich hole die palme aus dem keller - sie braucht mal wieder licht das haus ist nicht mehr sicher - hallt es aus dem fünften
sie darf nicht in den garten gehen - das haus ist nicht mehr sicher

sie darf nicht in den garten gehen
das haus ist nicht mehr sicher

sie haben es im radio gesagt - außergewöhnlich, übermenschlich - kuck doch, kuck doch - kuck doch auf die straße, jetzt müssen sie alle betteln gehen - kuck doch, kuck doch - was haben die getan, jetzt müssen alle betteln gehen - kuck doch, kuck doch was haben die getan - kuck doch, kuck doch die fiesen gesichter

  • wtf! öfter auch mal einverstanden

    es geht immer mehr um sie - die, welche nicht wie ich sind, eben die, sie - die es sind, weshalb man manifestiert. ich, der nicht sie ist und sie, die nicht ich sind und ja, all die anderen, die nicht wie ich sind und nicht wie ich bin

    es geht dann auch schnell um andere, andere liebe, andere triebe, es manifestiert sich ein unterschied in vielem - vieles was nicht ist wie sie und andere verletzt
    ein gefühl, das größer ist als zwiegespalten öfter auch mal einverstanden schneller im detail verstrickt
    what the fuck - er ist einverstanden
    what the fuck - er ist einverstanden

    aber zurück - zurück zum manifest, neu geschrieben - durch lange zeiten aufgeschrieben, im ganzen umgeschrieben - wenn ich, dann jetzt - dann kommen sie,
    die, die keiner haben will - die, die ich nicht haben will
    diejenigen, die aus der hälfte von 6O% die mehrheit finden- die, die jetzt das sagen haben - die, die jetzt die weichen stellen - die, die nicht ich bin, die, die nicht wir sind - eben die anderen, mit dem ruf nach sicherheit
    ein Gefühl, das größer ist als zwiegespalten öfter auch mal einverstanden - schneller im detail verstrickt

    what the fuck - er ist einverstanden
    what the fuck - er ist einverstanden
    die, die jetzt das sagen haben - die, die jetzt die weichen stellen - die, die keiner haben will
    what the fuck - er ist einverstanden
    what the fuck - er ist einverstanden

    die, die jetzt das sagen haben
    die, die jetzt die weichen stellen
    die, die keiner haben will
    what the fuck - what the fuck

  • stillstand

    stillstand, alles klar, alles klar, es herrscht stillstand - willst du 2O% von meinem leben, willst du anteile an meiner idee und ganze systeme stürzen zusammen, es ist insgesamt am limit der substanz. hier ist keine insel - selektion mit der kraft der nation, so viel bewusstsein, so viel krieg, soviel krise so viel...
    die idee der subversion ist punk und punk war mal wichtig - so macht was, was kaputt, kaputt, was euch kaputt macht - zu einfach, du versuchst zu verzerren
    auf der flucht - diese stille, ich kann sie nicht mehr hören!

    so leicht kommen sie nicht davon!

    dem kapital keinen euro - du versuchst zu verzerren
    so leicht kommen sie nicht davon - fortschritt anschieben
    die wiederholung vom balkon verbannen - so leicht, kommen sie nicht davon - dem kapital keinen euro
    stillstand, alles klar alles klar
    es herrscht - stillstand, no borders - no nations
    stillstand - hier ist keine insel

    dem kapital keinen euro - du versuchst zu verzerren
    so leicht kommen sie nicht davon - fortschritt anschieben
    die wiederholung vom balkon verbannen, so leicht kommen sie nicht davon ...

  • diese sonne scheint heute nur für mich

    es ist wieder dienstag - er liegt noch vor dir, der kleine zettel mit dem wissen, diese sonne, diese sonne scheint heute nicht für dich - sie rufen dich - sie wollen dich wieder sehen, ein tschö der hoffnung - I984 im pay-tv - da war doch nichts - da war doch nichts
    noch einmal gehst du es durch, details,
    so scharf wie an diesem einen tag - verdammt, verdammt in alle ewigkeit - in kleinen lettern, du bist nur auf dich gestellt, kapitulation - ist keine option
    verdammt - verdammt in alle ewigkeit

    diese sonne - scheint heute nur für mich allein (nichts für die breite masse - einzelschicksal)
    der planet - scheint für mich allein
    (du bist nur auf dich gestellt, nur auf dich gestellt)
    verdammt in alle ewigkeit - ich bin es, für mich allein

    aus den hinteren reihen hörst du es, deine geschichte, sie ist nicht gut genug- nichts für die breite masse, einzelschicksal - ha! wer hätte es gedacht

    ich mag piratenfilme - abgedreht, du bist jetzt mörder - und ich denke an die kurbel - potentielle amokläufer - du bist nur auf dich gestellt - kapitulation ist keine option - und für alle da draussen - nichts für die breite masse, sich selbst verwirklichen am dienstag um viertel nach fünf. deine geschichte, sie ist nicht gut genug dein avantgardgewichse - schick, schick
    nichts für die ewigkeit - einzelschicksal
    und es bäumt sich auf

    diese sonne scheint heute nur für mich allein
    verdammt in alle ewigkeit
    ich bin es - für mich allein

  • ein like auf gestern

    die freude ist ganz auf meiner seite, eben gewesen und jetzt ist es zeit, auf neuen wegen, auf neuen wegen begegnen - auf das nächste wiedersehen, versprochen, gebrochen und weg. weist du noch, wie es damals war - mit thomas und dennis durch die straßen ziehen und die alten floskeln, die dir soviel geben- in den laptop geschrieben - dann bist du in den ice gestiegen

    ein giveaway mit deinem namen für die lieben und alles auf gestern, die flaschen geköpft, auf ein langes leben und ein giveaway für die lieben - ein like auf gestern

    ich will ein träumer bleiben, geschissen auf dein leben
    die hand gebrochen, zugeschlagen - um zu wissen - auf ihn eingesprungen und ich scheiß auf dein leben, die antwort - bei lèo malet und kein gerede und ich scheiß auf dein giveaway mit deinem namen für die lieben und ich scheiß auf dein leben

  • es hat klick gemacht
    (luxus für alle!)

    4 kilo in 5 tagen, regelmäßig essen, viel bewegen - wie leben sie denn? wie leben sie denn?
    er ist prekär beschäftigt - bis letztes jahr auf stütze
    er ist jetzt integriert, in der statistik fein rauspoliert, von morgens bis oft spät in die nacht
    es hat klick gemacht, es hat klick gemacht

    was hier fehlt, es wurde definiert aus verträgen der lobby zitiert, alles große muss glänzen
    und wer arm ist, bleibt dumm - was mensch nicht kennt, das will er nicht - also sag´s ihm nicht

    es hat klick gemacht, es hat klick gemacht
    das ist kein system, ihr betrügt doch
    das ist kein system, das ist kein system
    es hat klick gemacht, es hat klick gemacht

    wir wollen luxus für alle, wir wollen luxus für alle
    wir wollen luxus, wir wollen luxus, wir wollen luxus

    und was hier fehlt, es wurde definiert aus verträgen der lobby zitiert, alles große muss glänzen und wer arm ist, bleibt dumm, was mensch nicht kennt, das will er nicht
    was mensch nicht kennt - das will er nicht
    also sags ihm nicht

  • Interview mit Marco

    2006 Kahm eure letzte Veröffentlichung was ist passiert seit dem, wie kahm es zu den Umbesetzungen und zur langen Pause?

    ME: Da muss ich etwas weiter ausholen.Wir hatten 2005 sehr viele Konzerte gespielt, gleichzeitig die Songs zur Bandentreffen Split aufgenommen, und gleichzeitig das meiste selbst organisiert. Ich hatte mich mit drei Freunden zusammengetan und Sick World Booking gegründet, gleichzeitig zusammen mit einem Freund noch ein monatliches Konzert Party regulär namens „Trash Pop Glam Night“ Veranstaltet, bei dem Christoph (Bass) Auch immer aufgelegt hat. Also alles im allen war es für mich fast ein Full Time Job die Band und alles am laufen zu halten. Als dann die Split raus kam (April 2006), die erste Tour gespielt wurde und es Zeit gewesen wäre die Früchte der Arbeit zu ernten, hatte Alex (Gitarre) angemeldet die Band zu verlassen da im der Sound nichts mehr gab. Das war so im Mai 2006, eigentlich waren für den Herbst bereits einige Konzerte geklärt welche dann gecancelt wurden. Wir haben dann noch bis in den Juli Konzerte gespielt.

    Danach war dann erst mal 2 Monate Funkstille, im Herbst hatten wir dann einige Gitarristen ausprobiert, uns noch von Tim getrennt da es immer schwieriger wurde mit ihm Termine zu finden. Allerdings hat auch keiner der anderen Gitarristen so richtig gepasst. Anfang 2007 haben wir dann beschlossen das ganze erst einmal zu lassen.

    Und wann ging es dann wieder los?

    Nun das war eigentlich ein Prozess der so ein Jahr später anfing und sich ca 2 Jahre gezogen hat. Alex (Schlagzeug) hatte damals ein anderes Band Projekt welches ihn voll einspannte, Christoph hat sein erstes Kind bekommen und war dadurch zeitlich sehr eingespannt, ich war beruflich sehr eingespannt und hatte eigentlich von dem ganze. Musik und Popkultur Gedönses die Schnauze voll. Nach einiger Zeit fing es aber dann doch an wieder in den Fingern zu Jucken, bis wir dann eines abends unseren Wunsch Gitarristen solange belabert hatten das er endlich ja gesagt hatte. Wir kannten ihn alle ganz gut da er auch bei Verstärker spielt mit denen wir die Split einige Jahre zuvor veröffentlicht hatten und auch getourt haben. Und irgendwann, ich denke Ende 2009 fingen wir wieder an zu Proben, einige der alte. Songs konnte Christian dann schon bei der ersten Probe gut spielen nur das Songwriting mochte noch nicht so richtig von der Hand gehen. Wir hatten dann mit drei neuen Songs und ein paar alten Songs ein paar wenige Konzerte mit Escapado, Kitty Empire und Matula gespielt, aber alles dauerte länger als früher da wir aufgrund unseres Privatlebens nicht mehr die Zeit hatten bzw. haben um drei mal die Woche im Proberaum zu sitzen. Wir haben dann angefangen die sechs Songs im Proberaum selbst aufzunehmen da Alex unser Schlagzeuger auch ausgebildeter Toninsch ist, klappte das auch soweit ganz gut. Hat sich aber fast fünf bis sechs Monate gezogen, bis endlich alles im Kasten war. Wir hatten dann überlegt die Songs von jemanden mixen zu lassen, die Ergebnisse waren nur leider gar nicht das was wir wollten, alles Klang nach aufgeblasenen Pop Sound ohne Ecken und kannten. So fingen wir also an das mischen selbst in die Hand zu nehmen, und schwups waren wieder 6 Monate ins Land gezogen, aber immer noch kein Master in der Hand. Mit Erdem hatten wir dann jemanden gefunden der die Idee von unserem Sound sofort verstanden hatte und beim Mastern noch mal richtig was raus holte.

    Nebenbei haben wir ständig diskutiert was wir den den eigentlich veröffentlichen wollen, wie und mit wem. In den letzten 5 Jahren hat sich aufgrund Facebook, Soundcloud etc. viel verändert, keiner von uns kauft noch wirklich CDs, entweder gleich Vinyl oder eben mp3, wir hatten dann mit einigen befreundeten Labels über Erfarungen zum Thema gesprochen, aber nicht wirklich zufriedenstellende Antworten bekomme, da alle vor dem gleichen Problem stehen. Wir hatten noch unseren Labelcode von unserer ersten CD und dann kurzerhand beschlossen das ganze erstmal selbst in die Hand zu nehmen. Wir kämpfen noch heute darum unsere Vertriebsrechte zurück zu bekommen, unsere mp3 von Bandentreffen und der ersten CD gibt es bei Amazone, aber keiner kann mir sagen wie sie da hin gekommen sind, seit 2009 ist der damalige Vertrag mit Rough Trade ausgelaufen und die Platte nicht mehr im Vertrieb, aber die mp3 wurden anscheinend nie ausgelistet. Alle diese Erfahrungen brachten uns dann dazu das ganze einfach als Free Download in die Welt zu werfen um wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und gleichzeitig noch eine cd/lp zu pressen um etwas zum verschicken zu haben.

    Du sagst es hat sich viel verändert in 5 Jahren, kannst du das noch etwas konkreter erklären?

    Ich versuche es mal. Als wir anfingen war es wichtig eine CD zu haben, am besten mit Vertrieb damit das ganze in den Läden steht und die Musikzeitschriften darüber berichten. Platt gesagt, Kein Vertrieb, keine Review in der Intro, da ja niemand weis wo man das Ding sonst her bekommt. Nebenbei am besten noch einen Song der an die Studi-Radios raus geht und auf ein paar Samplern platziert ist um den Konzertbookern klar zu machen, wir machen viel Wind also kommen auch Leute zu den Konzerten. Heute ist es wichtiger das du jede Woche einen Post bei Facebook absetzte, und am besten funktionieren hier Videos, den diese werden am meisten angesehen und dann wieder geteilt, so erreichst du Masse. Heute schaut ein Booker erst mal darauf wie viele Menschen einer Band bei Facebook folgen, und erst danach ob ihm der Sound gefällt, was dazu führt das einige einfach Facebook Fans kaufen um gut da zu stehen, darauf haben wir aber keinen Bock. Dann ist es natürlich so, wenn du dich 5 Jahre aus der scene zurück ziehst sind die Kontakte die man mal hatte schnell weg, da auch die Menschen in den Juzes oder AZs dieser Welt einem ständigen Wechsel unterliegen... All das macht es natürlich nicht einfacher wieder rein zu kommen. Eigentlich fängt man einfach von vorne an.

    Soviel zu damals, lass uns über die neuen Songs sprechen, meiner Meinung nach ungeschminkter, rotziger und viel politischer als zuvor. Und es ist ein Stück weit mehr Pessimismus in euren Texten oder tausche ich mich da?

    Rotziger ja, das war auch tatsächlich Konsens in der Band, das ganze etwas rauer anzugehen. als pessimistisch wurde ich unsere Texte aber nicht beschreiben. Eher wütender, aber die Zeiten sind ja politisch und ökonomisch auch nicht besser geworden. Wir hatten am Anfang von Peter Coretto beschlossen die Politik aus den Texten raus zu lassen. Vor Peter Coretto hatten Christoph, Alex Gilli und ich eine Band namens Judegemet Day's welche damals den Stempel Politcore bekam, was dazu führte das wir zeitweise sehr von linken Antifa-Strukturen instrumentalisiert wurden, das wollten wir bei Peter Coretto von Anfang an vermieden. Wir haben viel diskutiert als ich mit den neuen texten ankam ob wir das wirklich so machen wolle, Schluss endlich haben wir uns dazu durchgerungen und sind gespannt was passiert.

    Interview Teil 2: Liner Notes mit Marco

    Ich weis das du dich normalerweise weigerst deine Texte zu erklären, und war deshalb etwas irritiert als ich angefragt wurde ob ich den Rahmen für die Liner notes machen würde. Wie Kahm es dazu das du deine Meinung geändert hast?

    Die anderen haben mich gezwungen

    Wirklich?

    Na ja so ein bisschen stimmt das.

    Wieso?

    Da ich diesen Fragen normal aus dem Weg gehe, wurden immer die anderen gefragt was das oder jenes zu bedeuten hat, deshalb wurde ich gebeten das einmal etwas genauer zu erklären damit sie Antworten haben *g Aber ich merke natürlich auch, das nach jedem Konzept Leute kommen die sich über die eine oder andere Textzeile unterhalten wollen, Fühle mich natürlich auch etwas geehrt wenn Interesse an den Inhalten besteht, weis aber meist nicht was ich gross dazu sage soll. Oft ist es auch so, dass ich mich hin setzte um einen Text zu einem Thema zu schreiben, welches dann am Schluss im Endergebnis eine untergeordnete Rolle spielt. Außerdem bekomme ich auch oft interpretationen von Leute wo ich sage, hey hab ich zwar so nicht gemeint, kann man aber auch gut so sehen. Ich habe etwas Angst, dass aufgrund der Erklärungen meinerseits sich weniger mit den Texten beschäftigen uns sich gar nicht mehr die Arbeit einer Eigeneninterpretation machen und ich ihnen somit etwas weg nehme, was ich an anderen Bands auch gerne mag. Spoiler Alarm sozusagen

    Ok, das ist nachvollziehbar und sicher nicht ganz unbegründet. Aber lass uns die Songs einfach mal durch gehen, starten wir mit

    Diese Sonne scheint heute nur für mich:

    Hier geht es um Kunst außerhalb des Mainstreams und um diese Leute, sie produzieren. Vor allem um Menschen, die von ihrem Werk leben wollen, um sich dem 9 to 5 Leben mit anschließendem TV glotzen zu entziehen. Sie sind von sich überzeugt, ziehen ihr Ding durch und gehen nicht mit dem momentanen Mainstream konform. Dabei rennen sie oft gegen Wände und müssen damit umgehen, dass sie vielleicht die einzigen sind, denen die Sachen gefallen. Von der Gesellschaft erhalten sie für ihren Lebensentwurf keine Anerkennung, sondern ernten Unverständnis und Missachtung. Das kann auf Dauer ganz schön frustrierend sein, zumal sie meist auf sich gestellt sind. Dennoch machen sie weiter, lassen sich nicht unterkriegen. auch macht es einen Unterschied ob ich in einer Stadt mit günstigen allgemein Kosten lebe oder eben in einer Stadt wie München. In Hamburg oder Berlin habe ich oft das Gefühl das Kunst oder Popkultur fast inflationär Auftritt. Jeder hat drei oder vier Projekte und versucht damit die Miete zu Zahlen, die Qualität oder der Anspruch kommt dabei gerne mal zu kurz. Jeder macht mal eben 200 t-shirts um die nächsten Monate über die Runden zu kommen. Trotz allem hat natürlich jeder der etwas tut auch die Berechtigung genau das zu tun. Nur damit ich nicht falsch verstanden werde. Der Vorteil an Künstlern die nicht von Kunst leben müssen, ist natürlich die Unabhängigkeit Dinge zu tun die keinen gefallen müssen, oder eben Avangard-Gewixe von sich zu lassen. Dabei darf ihr Ego auch so groß sein, dass sie an manchen Tagen glauben, die Sonne Scheine nur für sie.

    Und was hat es mit der Kurbel und den Piratenfilme aus sich?

    Oh, die Kurbel bezieht sich auf eine altes Tape von York Quetschenpauer aus Berlin, der erzählt da eine nette Geschichte über den Inhalt eines Piratenfilme in den einer der Piraten einen Krummsäbel mit Kurbel am Griff hatte an dem er im gedreht hat und so eine coole Waffe hatte. Quetschenpauer ist ein gutes Beispiel wie ein Künstler von einer Szene vereinsamt werden kann, und dann als Konsequenz die Reißleine zieht und aufhört. Wer in nicht kennt, sollte das nachholen.

    Ok, ich merke schon, es gibt viele Geschichten die sich in den Zeilen verstecken. Lass uns weiter machen mit "ein like auf gestern"

    So einen Moment kennt denke ich jeder. Eine Freundin oder ein Freund mit dem du viel erlebt hast, kommt zu Besuch. Ihr habt euch aus den Augen verloren und du freust dich wahnsinnig. Aber schon nach 15 Minuten merkst du das dir das Treffen so gar nichts bringt, außer vielleicht Unverständnis darüber, weshalb sich dein gegenüber so ganz anders entwickelt hat als du. Du hörst dir Geschichten über sein bürgerliches Leben an, - mein Job mein Haus mein Kind mein Auto. Da ihr euch nach ein paar Minuten nichts mehr über eure Gegenwarten zu sagen habt, schwelgt ihr in Erinnerungen alter Zeiten. Das kann manchmal schön sein, für eine Freundschaft ist es aber zu wenig. Du fühlst dich deinem Gegenüber gerade der alten Zeiten wegen zu Höflichkeit verpflichtet, obwohl du ihm gerne schütteln würdest oder anschreien, weil so ein Spießer aus ihm geworden ist. Hier hat mich die „Schwarze Trilogie “ von Léo Malet inspiriert. Es wäre schön alten Freunden einfach mal sagen zu können - ich Scheiß auf dein jetziges leben, auch wenn die gemeinsame Vergangenheit nicht missen möchte. Auch die Härte der Sprache in der zweiten Strophe ist diesen Büchern geschuldet, den natürlich würde ich niemanden die Hand breche und anschließen noch drauf springen. Ansonsten kann ich noch sagen, das es der einzige Song ist, der noch aus der Zeit vor Christian entstanden ist, also noch aus der ersten Phase der Band. Wir haben auch länger darüber gesprochen ob wir ihn überhaupt aufnehmen wollen, aber uns gefiel besonders die Kompaktheit des Songs, weshalb wir ihm dann doch eine Chance gaben, zurecht wie ich immer noch finde.

    Kuck doch/ die fiesen Gesichter

    Auch wenn Mensch es auf´s erste nicht hört, der Song ist vor der Krise entstanden. Mich hat es damals wahnsinnig aufgeregt, dass die sogenannten Sozialdemokraten die Hartz IV Reformen durchgesetzt haben. Gleichzeitig haben die deutschen Gewerkschaften bei ihren Tarifverhandlungen, also ihrer Kernaufgabe, versagt und den lohnabhängig Beschäftigten gebetsmühlenartig wiederholt: „da ist nicht mehr zu holen, sie könnten nicht mehr fördern, weil die Unternehmen sonst Menschen entlassen müssen“. Wir reden hier über die gleichen Unternehmen die Milliardengewinnen eingeheimst und ihren Managern Millionen Euro an Boni ausgezahlt haben. Als Exportland sind in Deutschland die Gewinne auch im Zuge der Globaliseirung gestiegen, den einfachen Menschen geht es aber trotzdem nicht besser. Ich denke das hat auch dazu geführt, dass sie in ihrem Privatleben und sozialen Umfeld nach Homogenität suchen. Wenn schon nichts mehr sicher ist, dann wenigsten noch die Werte. Die Leute sind engstirniger geworden und haben eine größere Angst vordem unbekannten als zuvor - und wenn das nur eine WG, eine Muslimische Familie oder ein unverheiratet paar im eigenen Haus ist, welche die Ordnung im eigenen Mikrokosmos Stören.

    Und wieso betteln nun alle?

    Mh, das nun alle betteln müssen habe ich mal in einem Park aufgeschnappt. Da hat sich ein altes paar über die Pfandsammler unterhalten und meinten, so weit ist es schon gekommen jetzt müssen alle betteln gehen. Ich finde die Aussage sehr treffend, und bekomme selbst immer ne Wahnsinns Wut, wenn ich sehe wie viele Menschen, die ihr leben lang geschuftet haben, nicht genug Rente bekommen um menschenwürdig zu altern, sondern ihren Ruhestand in Armut fristen müssen. Das hat keiner verdient.

    Stillstand

    Diesen Song könnte man tatsächlich als Lied zur Krise betiteln. Er ist kurz nach dem Zusammenbruch der Lehmann Brothers Bank in den USA entstanden, zu der Zeit war schon klar, dass deutsche Banken folgen werden, wenn die Politik kein Geld hineinpumpt. Im Londoner Bankenviertel kam es ein paar Monate später zu Ausschreitungen und Krawallen. In Deutschland kam es mir so vor als ob die,Bevölkerung zunächst in eine Schockstarre fiel. Danach tat Sie gemeinsam mit der Politik alles dafür die Krise in Deutschland klein Zureden. Uns geht es gut, wie jammern auf hohem Niveau, sind die Floskel die wir seitdem oft hören. Dass wir nicht allein auf der Welt sind und es um uns herum den Bach runter geht, scheint niemanden zu interessieren. Obwohl es hier um die Existenz von Menschen geht, die so sind wie du und ich. Auch die deutschen Linke ist in Lethargie verfallen, anstatt sich zu positionieren und als politische Gegenmacht zu agieren. Auch ein Diskurs in wie weit ein militantes Vorgehen gegen die Banken gerechtfertigt oder verständlich ist findet nicht statt. Es sieht leider danach aus als würden sie (also die Banken) ohne konsequenten davon kommen und einfach so weiter machen können. Der Kapitalismus gibt ihnen die Instrumente und die Politik die Absolution.

    Besonders gut gefällt mir der Teil mit "Die Idee der Subversion ist Punk, und Punk war mal wichtig, so mach was, was kaputt, kaputt was euch kaputt macht." Kannst du dazu noch etwas mehr erzählen? Ist Punk heute nicht mehr wichtig?

    Natürlich ist der heute noch wichtig, auch wenn heute Punk sicher etwas anders ist als noch vor 20 oder 30 Jahren, ich möchte hier aber nicht den tausendsten Versuch starten Punk zu definieren. Im Song selbst ist es Teil eines Zwiegesprächs über die Legitimation von militanter Gewalt gegen Sachen. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen, außer das ich ein Sozialisation durch Ton Steine Scherbe nicht abstreiten kann.

    What the fuck

    Ein Soundtrack zur Politikverdrossenheit - so könnte der Untertitel zu diesem Song lauten. Ich beschreibe es mal ganz plakativ: in Deutschland sind unter vier Prozent der Bevölkerung Mitglied einer Partei, da sich im postmodernismus Milieus auflösen, gibt es viele Parteien der sogenannte Mitte. Diese Parteien - wie gesagt weniger als vier Prozent der Bevölkerung - formulieren Partei- und Wahlprogramme. Die Bürger - hier wenn es hoch kommt 60 Prozent der Bevölkerung, und da reden wir von denen mit einem hohen Bildungsgrad und hohem Einkommen, gehen dann wählen. Die Parteien bilden dann je nach Ergebnis eine Koalition und verabschieden Gesetzen und beschließen Dinge und das im Namen der sogenannten Mehrheit. Da frage ich mich schon manchmal wie weit es da mit der Demokratie her ist. Gleichzeitig hast du dann manchmal Parteien oder Politiker von denen du denkst, die sind ganz ok. Das beste Beispiel ist Joschka Fischer, ein Mann der Friedensbewegung. Kaum sind die die grünen in der Regierungsverantwortung führt Deutschland mit Joschka Fischer als Außenminister den Jugoslawienkrieg, also den ersten Angriffskrieg der BRD. Angetreten waren die Grünen damals mit Forderungen wie der Abrüstung der BRD und auch der NATO. So Leute gibt es aber auch im persönlichen Umfeld du denkst sie sind eigentlich ganz ok, wenn du über Politik redest und dann plötzlich sei es wegen der Beeinflussung durch die Medien oder weil sie einfach die Kraft verloren haben und konform gehen, hauen sie Ansichten raus, die du ihnen nie zugetraut hättest. Was bleibt ist Kopfschütteln und ein wtf!

    Luxus für alle

    Zugegeben Luxus für alle ist natürlich eine überspitzte wenn nicht sogar utopische Forderung. Der Rest des Songs behandelt aber Fakten,den realen Wahnsinn sozusagen. Politiker die an der Nadel von Lobbyisten hängen, in Großprojekte investieren Bund, Länder und Kommunen Milliarden von Euro, gleichzeitig werden Sozial- und Kultur-Töpfe gestrichen. Die Industrie zahlt Managerboni in Höhen die für keinem normalen Menschen nachvollziehbar sind, wärmend andere Menschen drei Jobs brauchen um einigermaßen über die Runden zu kommen. In München werden seit Jahren Unmengen von Bürobunker gebaut, wo sich aber eine normale Familie noch eine Wohnung leisten kann interessiert nicht. All diese Missstände führen mich dann eben auch zu so unrealistische Forderungen wie „Luxus für alle“. Was auch die Frage aufwirft, was ist Luxus? All Inclusive Urlaub, ein iPad oder das Geld zu besitzen sich richtig zu ernähren und auch mal ein Konzert besuchen zu können? Die Förderung wirft also mehr fragen auf als Antworten, als Texter verstehe ich aber meine Aufgabe nicht darin Antworten zu geben, sondern Menschen zum nachdenken anzuregen.

    Ok, vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen. Ich bin mir sicher das es trotz der Erklärungen noch genug zu entdecken gibt in euren Texten

    Bitte.

  • - GIER! -

    alle songs von peter coretto
    texte: marco engelhard

    aufgenommen und gemischt: ja
    produziert: auch das
    master: erdem engin

    illustrationen: ferdinand haschner
    gestaltung und satz: marco engelhard
    cover-siebdruck: the red can company